Petra Pauls-Gläsemann

Mein kleiner Mann im Ohr

Leseproben sollen einen kurzen Einblick in den Schreibstil des Autors geben, bzw. der Autorin geben. Sie sind keine komplette Wiedergabe des Buches. Die hier ausgestellten Auszüge umfassen jeweils eine Buchseite.

***

Der kleine Mann in meinem Ohr hatte sich an einem düsteren Januartag bemerkbar gemacht und ehe ich mich versah, gehörte er in mein Leben - und das ohne Vorwarnung!

Er hatte es sich in meinem Ohr bequem gemacht, als ich über den tieferen Sinn dieses Lebens nachdachte.

Woher er kam?

Keine Ahnung. Ich hatte ihn irgendwo im Großstadtgewimmel aufgespürt und erst gar nicht so richtig wahrgenommen. Zu viele seltsame Gedanken und noch mehr Menschen schwirrten um mich herum, so dass ich froh war, als ich endlich in der Straßenbahn saß, die mich nach Hause brachte.

Schon während der Fahrt hörte ich sein Flüstern, erst ganz leise - schon fast unsicher -, dann resolut und selbstbewusst. „Ich fahre jetzt mit dir nach Hause und so schnell wirst du mich nicht mehr los.“

Ich erschrak bei diesem Gedanken, jemanden nicht mehr loszuwerden!

  „Wer immer du auch bist, du da in meinem Ohr, ich denke gar nicht daran, dich mitzunehmen.“

  „Ha, wäre doch gelacht! Du unterschätzt meine Fähigkeiten. Na, dann warte ab, du wirst schon sehen“, klang es in meinem Ohr.

Damit verabschiedete sich der kleine Kerl und verwundert stellte ich mir die Frage, wer dieser kleine Knilch wohl sei.
Er ließ mich wirklich in Ruhe und fast hätte ich ihn vergessen, wenn er nicht angefangen hätte, mir von seinem Leben zu erzählen. Ausgerechnet als ich das Licht gegen Mitternacht ausschaltete und mich in meine weichen Kissen fallen ließ, fing dieser Kerl an, es sich richtig gemütlich zu machen. Er hatte sich wohl irgendwoher Kopfkissen und eine Decke besorgt und sich häuslich in meinem Ohr niedergelassen.
Ich konnte es nicht fassen!

Auszug Seite 9f

 

Mein  Leben hatte sich mal wieder über Nacht verändert und mit riesigen Schritten stolperte ich dem Abgrund zu, der unmittelbar vor mir lag. Wohin würde mich dieser Wahnsinn treiben? Also beschloss ich zu guter Letzt, mir Rat zu holen. Und diesmal wandte ich mich an Lille, die gerade meine letzte Packung „Mac Iver“ entleerte.

  „Bist du sicher, dass du dir das nicht alles einbildest?“

Entsetzt sah ich meine Nachbarin an.

  „Lille, ausgerechnet du musst mich das fragen? Wie war das letzten Sommer mit deinem Traummann? Du hast mich mit deinen Träumen fast verrückt gemacht, weil du ständig diesem Typen begegnet bist. Jeden Morgen hingst du hier rum, weil du Probleme hattest, dir diese Geschichte zu erklären. Hast du etwa ver-gessen, was da alles abgelaufen ist?“

Lille dachte nach und ihr hübsches Schokoladengesicht fing an zu grinsen.

  „Ach ja, das waren noch Zeiten“, seufzte sie.

Ich konnte bemerken, wie sich ihr Gesichtsausdruck veränderte.

  „Aber Paula, das war doch etwas ganz anderes. John gab es wirklich, er war real - nicht nur irgendein Gefühl oder so.“

  „Wer sagt denn, dass es Ed nicht gibt?“

Die Bombe war geplatzt.

  „Bitte wen?“

  „Na Ed. Ich habe ihm den Namen ED gegeben. Eigene Denkweise. Wenn er wenigstens so denken würde wie ich, hätten wir nicht ständig diese Probleme und Auseinandersetzungen, verstehst du? Wenn er nur eine Einbildung wäre, dann wäre er doch so, wie ich mir das vorstellen und wünschen würde. Aber er ist total anders, erschreckend anders und er wird sogar älter. Er scheint richtig zu leben, sich weiterzuentwickeln.“

Mein Kopf neigte sich zu Lille hinüber.

 

 

Auszug Seite 35 f


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